HelloFresh – lohnt sich so eine Kochbox?


Eines vorab: Dieser Erfahrungsbericht hat eigentlich keinen lokalen Bezug, sondern es handelt sich bei HelloFresh um ein junges Berliner Unternehmen, welches bundesweit Pakete mit frischen Zutaten und dazugehörigen Rezepten an vielbeschäftigte Verbraucher versendet. Während man schon länger im Internet seine Kochbox bestellen kann, sind nun auch in unserer Gegend von Zeit zu Zeit gemüsebunte Stände mit dem limettengrünen Logo zu finden, die die normalerweise im Abo zu erwerbenden Kisten an den Mann oder an die Frau bringen und mit allerlei Angeboten locken.

Ich selbst habe mich auf der „DeMo 2017“ Messe in Osnabrück ausgiebig informiert und mich schließlich entschieden, es mal zu versuchen. Als reine Internetbestellung hätte ich mich vermutlich nicht an die Boxen rangetraut, aus Angst, es könnte sich doch um eine Abofalle handeln. Das ist nicht der Fall. Man kann aus verschiedenen Liefervarianten wählen und man kann immer kündigen, auch nach nur einer Box. Insofern war der direkte Kontakt zu den Vertrieblern von HelloFresh für mich letztlich ausschlaggebend, denn die haben mir genau erklärt, wie ich auch ganz sicher nur eine einzige Box abnehmen muss und wie ich das Ganze  reaktivieren und pausieren kann.

Vielleicht geht es ja anderen auch so, dass sie schon länger überlegen, es mal mit so einer Kochbox zu versuchen.

Für wen lohnt sich so etwas überhaupt?

Natürlich sind die Zutaten im Supermarkt um die Ecke einiges billiger. Allerdings kauft man sie dort oft in Mengen, bei denen viele Reste übrigbleiben oder gar weggeworfen werden müssen. Die HelloFresh kpmmen mit genau abgewogenen Zutatenmengen, die genau zum mitgelieferten Rezept passen. D.h. es bleibt nichts übrig, keine Lebensmittelverschwendung – gut für die Umwelt.

Wer sich hier an die eigene Nase packt, gehört eigentlich schon zur Zielgruppe. Trotzdem gibt es keine Kochbox explizit für Singles, die wie man ja meinen könnte, besonders unter dieser Problematik leiden, wenn sie den Anspruch haben, für nur eine Person frisch zu kochen.

Dazu meint HelloFresh:

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Das stimmt zwar, allerdings bleibt es dann natürlich dabei, dass etwas übrigbleibt. Was das Konzept vielleicht wieder etwas torpediert, weil man vielleicht nicht immer genau die Hälfte übrig behält und doch wieder zusätzliche Zutaten braucht, um die Mahlzeit zu „verlängern“? Hm naja, egal. Funktionieren tut es auf jeden Fall, die eigentliche Zielgruppe für Kochboxen sind jedoch wohl eher Zweipersonenhaushalte, sprich berufstätige Paare, die vielleicht sonst nicht dazu kommen, gemeinsam frisch zu kochen.

Je mehr Personen mitessen, desto mehr sehe ich das Problem der unterschiedlichen Geschmäcker, die so nicht immer miteinander kompatibel sind. Finde ich bei zwei Personen schon nicht immer so einfach – sind wir etwa besonders „eigen“? *lach*

Auswählen kann man jedenfalls zwischen Kochboxen für zwei und vier Personen und zwischen 3 und 5 Mahlzeiten pro Woche. Bei mir waren es Zutaten für zwei Personen und 3 Mahlzeiten für 32,99 Euro. Im Anschluss an meine Bestellung habe ich das Abo sofort abbestellt, man kann aber jederzeit sein Konto wieder reaktivieren und erhält dann wieder eine Lieferung.

Noch ein kleiner Tipp zur Planung, gerade wenn Ihr selten zu Hause seid: Überlegt Euch gut, wie Ihr das Paket zeitnah in Empfang nehmen könnt. Ich hatte mir das z.B. so ausgeklügelt, dass ich ein freies, unverplantes Wochenende für meine HelloFresh-Box haben würde, an dem ich jeden Abend Zeit zum Kochen habe. Nun kam ich also Freitag gegen 18 Uhr hungrig nach Hause und freute mich schon auf mein Rinder-Tajine. Laut DPD-Sendungsverfolgung war das Paket zugestellt worden, die Mitbewohnerin hatte nur wenig später Feierabend, also konnte ich mich schon mal ganz entspannt ums Schnippeln kümmern und dann würde geschlemmt. Soweit die Theorie. In der Praxis musste ich erst mal das Paket suchen. Die Nachbarn, die es morgens angenommen hatten, waren natürlich nicht da. Mist, dachte ich, es ist Maiwoche und wunderschönes Wetter, die sind sicher ausgeflogen! Ich sah mich schon Döner holen und mein schönes Rinderfilet in der Nachbarwohnung verderben. Hello-not-so-fresh. Hello-dumm-gelaufen!

Ganz so kam es dann doch nicht. Ich machte mir einen Snack und beschloss, noch ein wenig zu warten. Gegen halb neun rappelte die Nachbarstür und ich eilte nach unten, um ein monströses Paket entgegenzunehmen.

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Hurra, dann konnte es ja sofort losgehen. Ich hatte mich im Vorfeld für folgende drei Mahlzeiten entschieden

  • Rinder-Tajine mit getrockneten Aprikosen, Mandeln und Couscous
  • Würziges Kokoscurry mit Spargel und Basmatireis
  • Tabbouleh mit würzigem Halloumi, dazu Minzjoghurt

Im Paket ist das dann auch gleich sehr übersichtlich und idiotensicher verpackt:

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Die Sachen, die man nicht kühlen muss, sind auf drei braune Papiertüten verteilt, und zwar gleich in passender Menge zum Rezept. Man braucht sich also nur das Rezept und die passende Papiertüte schnappen und schon kann man loskochen.
Vorher allerdings sollte man natürlich auch den in einer wollähnlichen Isolierpackung steckenden Rest in den Kühlschrank verfrachten. Hierzu muss ich sagen, dass ich ja nun von einer fast 24-stündigen Lagerzeit meines Paketinhalts ausgehe – sogar eher etwas länger.

Dafür hat das wirklich super geklappt: Das Fleisch und die Milchprodukte, die sich in der Kühltasche befanden, waren fühlbar kalt. Zusätzlich zum Isomaterial hatte man 2 Kühlakkus beigelegt, die nicht mal halb aufgetaut waren. Die Sache wäre also  durchaus noch bis zum nächsten Morgen gutgegangen, denke ich. Aber geärgert hätte ich mich trotzdem…

Die Moral von der Geschicht: Plant Eure Lieferung weise, gerade wenn Ihr in einem größeren Mietshaus wohnt und eine Abstellgenehmigung im Flur eher riskant ist. Es gibt ja auch DPD-Paketshops, an denen man auf dem Heimweg  vorbeikommt. Oder habt Ihr vielleicht die Möglichkeit, Euch die Ware zur Arbeit liefern zu lassen?

Der erste Abend

Wie gesagt, wir waren spät dran. Aufgrund der Kühlkette schien es mir am logischsten, mit dem Fleischgericht zu beginnen. Mit der sehr hochwertig gestalteten, übersichtlich A4-Kochkarte lässt sich das Gericht nun mit wenigen Schritten nachkochen.

Der Schwierigkeitsgrad ist ohnehin keine Herausforderung für geübte Köchinnen, ich denke aber, auch Ungeübte dürften so ein afrikanisches Schmorgericht auf diese Weise mühelos hinbekommen.

Es war köstlich, aber nach meiner persönlichen Vorliebe hätte ich mir gewürzmäßig etwas mehr orientalische Raffinesse gewünscht (Ras-el-Hanout oder ähnliches), hier habe ich ein wenig nachgewürzt, weil mir sonst die Süße der Aprikosen zu dominant gewesen wäre. Die Fleischmenge war gut bemessen. Gemüse essen wir normalerweise etwas mehr, Couscous wiederum blieb sogar ein wenig übrig. Insgesamt aber passten die Mengen wirklich gut.

Die Qualität der Zutaten fand ich wirklich toll: Die Tomaten schön prall und fruchtig und der Vollkorncouscous von der Firma Reishunger aus Bremen gibt dem Gericht nochmal eine besonders herzhafte Note.

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Samstagabend 

Am zweiten Abend hatte ich ja fast schon etwas Routine. Das vegetarische Currygericht enthielt nun wirklich Gemüse satt. Nach einer etwas ausgiebigeren Schäl- und Schnippelaktion kocht sich der Rest nun wirklich fast von selbst. Wieder wird das Gericht durch einen hochwertigen Basmatireis von Reishunger sinnvoll und lecker ergänzt.

Sonntag

Hach, ich bin so langsam im Verwöhnmodus. Das Sonntagsfrühstück ist zwar nicht aus der Box, aber weil darin genug Minze ist, inspiriert mich das zu einem köstlichen 2. Frühstück mit Obst:

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Daneben ein Lachsbrötchen. Fakt ist, darben tun wir hier auch ohne Kochbox nun wirklich nicht. Ich probier mich einfach gern durch die bunte Welt der Aromen. Das ist für mich der Inbegriff von Lebensqualität, Genuss. Während vielleicht manche durch die Kochboxen überhaupt erst ans Kochen mit frischen Zutaten herangeführt werden, hätte ich sämtliche Gerichte mit Sicherheit auch ohne Kochbox mühelos hinbekommen. Ob ich sie dann allerdings überhaupt gekocht hätte, ist eine andere Frage. Weiterhin stört es mich ja nun überhaupt nicht, in Supermärkten einkaufen gehen zu müssen – im Gegenteil, es würde mir total fehlen. Überhaupt: Was die einen als Erleichterung und Zeitersparnis empfinden, ist für die anderen quasi Erholung und umgekehrt.

Ich freu mich auf den Halloumi-Salat heute abend, und ich freu mich aber auch darauf, dass das Box-Experiment danach erst mal wieder zu Ende ist. Auf Dauer würde ich mich zu „reglementiert“ fühlen, wenn ich immer nach Plan und nach Rezept kochen müsste.

Ich weiß, dass es vielen Menschen anders geht, und es war eigentlich ganz spannend, mal für ein paar Tage in diese Rolle zu schlüpfen. So aufgeräumt und organisiert koche ich sonst nie, und es hat auch etwas Beglückendes, sämtliche Zutaten restlos aufzubrauchen.

Gut möglich, dass es in ein oder zwei Monaten nochmal mache. Bis dahin widme ich mich wieder meiner üblichen Chaosküche

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Kleiner Nachtrag: Der Halloumi erwies sich als absolutes Highlight – dieses Rezept werde ich gut aufbewahren. Wir haben noch eine halbe Salatgurke hinzugefügt, das machte das Gericht noch erfrischender. Wer es nachkochen will, findet es auf der HelloFresh-Homepage. Ich habe es auch oben in meinem Text verlinkt. Sommer, Sonne, Grillküche – tolle Aromen, supersimpel gemacht, ein Traum.

Mein Fazit 

Am Ende eines genussreichen Wochenendes komme ich mit einer Träne im Knopfloch zu dem Schluss, dass sich so eine Kochbox für mich auf Dauer nicht lohnen würde. Ganz klar ist ja, dass die Preise höher sind als im Supermarkt, sogar dann, wenn ich dort nur die regionalen und die Bio-Produkte auswähle. Der Preis rechtfertigt sich also durch das Erlebnis, dass ich mit der Kochbox bekomme. Einmalig und in vergünstigter Form, würde ich sagen, habe ich das in keinster Weise bedauert und würde es mir sogar wieder tun.

Vielleicht, liebes Hello-Fresh-Team, die ihr mich in Eurem Anschreiben so limettig-frisch und vollmundig in Eurer Familie begrüßt, vielleicht bin ich einfach nicht so ganz Eure Zielgruppe. Das ist ja auch gar nicht schlimm, denn das haben Zielgruppen nun mal so an sich, dass nicht alle hineinpassen.

Für einen regelmäßigen Genuss der Boxen verdiene ich zuwenig, und für den gelegentlichen Genuss sind mir viele Rezepte letztlich zu simpel. Wobei simpel um Himmels willen nichts Schlechtes ist. Einfach und gut – das sind die besten Gerichte. So wie das Tabbouleh eben. Kann man nicht besser machen.

Ich rühme mich wahrlich nicht als tolle Köchin, aber man lernt nun mal durch Erfahrung. Vor zehn, fünfzehn Jahren habe ich auch noch viel mehr fix-Tütchen in die Hand genommen, weil ich dachte, ich könnte ohne sie nicht gut genug kochen. Inzwischen ist so etwas die absolute Ausnahme – so etwas brauche ich schon lange nicht mehr.

Gleichwohl gibt es nach wie vor Gerichte, an die ich mich nicht rantraue. Die eigentlich ganz einfach sind. Und ich kenn viele, die sich nicht an ein Steak rantrauen oder daran, einen guten Fisch zuzubereiten. Mit einer Kiste, die als eine Art „How-to“, ein Mini-Kochkurs aufgebaut ist, könntet Ihr mich vielleicht wieder „anfixen“. Und vielleicht auch das Interesse einiger ganz blutiger Anfänger wecken, die sich schon deshalb nicht an HelloFresh rantrauen, weil sie bestenfalls eine Aldi-Pizza in  den Ofen schieben können.

Mal so als weitere Idee in den Raum geworfen: Wie wäre es mit 3- oder 5-tägigen „Reisen“ in eine Länderküche? Es gibt so viele Landstriche, in denen es noch was zu entdecken gibt, sogar in Italien oder auf Malle. So dass man hinterher sagen kann: die Tage mit Euch, die waren ja fast wie ein Kurzurlaub. Oder ein Menü beim Lieblingsitaliener um die Ecke.

Noch eine Sache: Die Auswahl aus acht Gerichten nur aus einer kulinarischen Kategorie erscheint mir auch nicht so ganz logisch. Warum kann man nicht aus der kompletten Auswahl heraus bestellen, sondern darf sich pro Bestellung nur für eine „Vorliebe“ entscheiden? Nehmen wir mal das durchaus recht typische Beispiel des Zusammenlebens einer männlichen und einer weiblichen Person. Das Klischee „Er hasst Gemüse und braucht viel Fleisch und sie mag es eher leicht“ ist ja nicht von der Hand zu weisen. Weiterhin sprecht Ihr es selbst an: Viele leiden unter Allergien und Unverträglichkeiten. Es braucht definitiv noch etwas mehr Flexibilität beim Austausch von Zutaten. Ich sehe ein, dass man das nicht übertreiben sollte, weil sonst das Konzept zu aufwändig wird. Dasselbe gilt wohl für meine „de luxe“-Vorschläge. Sie sind als Anregung gemeint, nicht als Kritik. Das Konzept an sich ist gut und es funktioniert auch, es ist nur eben nicht für jedermann.

Zu guter Letzt

Wer eine HelloFresh-Box bestellt, macht erst mal nichts verkehrt. Mal so einem „Lockangebot“ zu folgen und zu testen, ob es einem liegt, das ist auch finanziell für die meisten Menschen machbar. Behaupte ich mal. Rechnet man allerdings den Normalpreis hoch, und würde man tatsächlich jede Woche eine Kochbox bestellen, gibt es wohl nur wenige, die sich das leisten können. Davon mal abgesehen wäre mir das auch zuviel Aufwand. Dabei bin ich durchaus der Meinung, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht schlecht ist. Man bekommt einiges geboten über die reinen Zutaten hinaus. Die Frische direkt vom Lieferanten, besondere Zutaten, die Zeitersparnis, der Umweltaspekt, ein modernes und ansprechendes Konzept. Die Mahlzeiten sind ausgewogen und auch die Mengen schienen uns recht gut angepasst. So ein „richtiger Kerl“ wäre da vielleicht anderer Meinung, aber ganz ehrlich: Das kann man auch nicht erwarten – es gibt nun mal nicht den „Durchschnittsappetit“. Ich persönlich möchte lieber Qualität als Völlerei. Noch etwas: Für Menschen, die einen Thermomix besitzen, gibt es jetzt auch spezielle Rezepte und Boxen. Auch das ist sicherlich nicht uninteressant. Ich nehme an, dann braucht man gar nicht mehr selbst zu kochen, sondern wirft einfach nur die gesamte Box in den „Thermi“ 😛

Stand 14.5.2017: Wer HelloFresh einmalig testen oder auch dauerhaft dabei bleiben will, der kann dafür folgenden Gutscheincode verwenden. Seid aber versichert, dass ich Euch hier nur meine ehrliche Meinung darlege, für die von niemandem bezahlt werde und Euch nichts verticken möchte.

Was Ihr aber nachkochen müsst, ist das Tabbouleh in Kombination mit dem Minzjoghurt und dem würzigen Halloumikäse. Das ist einfach zu gut. *schleck*

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